Physiotherapie Edelweiss

Heilpilze: eine alte Tradition neu entdeckt


Heilpilze und ihre Geschichte

Wer hätte das gedacht: Noch vor wenigen Jahren galten Heilpilze als Exoten, und wer sich damit beschäftigte oder als Therapeut seinen Patienten verordnete, erntete nicht selten ein Stirnrunzeln und Skepsis. Dabei gehören Pilze zu den ältesten Naturarzneien der Menschen. Schon vor mehr als 4000 Jahren wurden sie in der fernöstlichen Volksmedizin wegen ihrer gesundheitsfördernden Eigenschaften verehrt. Die Traditionelle Chinesische Medizin beschreibt rund einhundert überwiegend in Asien beheimatete Pilze in ihrer Wirkung. Viele werden noch heute in der fernöstlichen Medizin zur Heilung von verschiedenen Krankheiten, zur Stärkung des Immunsystems und zur Regulierung und Entgiftung des Organismus eingesetzt. Einer der bekanntesten unter ihnen ist der Ling Zhi, der auch als Reishi oder Glänzendender Lackporling bekannt ist. Er gilt in China als «göttlicher Pilz der Unsterblichkeit» und wird hoch verehrt.

Aber nicht nur der Osten ist mit der Heilkraft von Pilzen vertraut, auch die Traditionelle Europäische Medizin (TEM) kennt und verwendet Heilpilze in der Therapie. Seit jeher sind die Klöster des Heiligen Benedikts Orte, an denen das ganzheitliche Wohl von Mensch und Tier im Mittelpunkt steht. So ist es nicht verwunderlich, dass die heilende Behandlung mit Pilzen, die Mykotherapie, schon vor Jahrhunderten in der europäischen Klostermedizin bekannt und geschätzt war. In unseren westlichen Ländern ging dieses Wissen bei der Erfindung der Penicilline jedoch weitgehend verloren. Forschungen in den letzten 20 bis 25 Jahren haben daher grosses Interesse geweckt. Vitalpilze haben sehr interessante therapeutische Wirkungen, insbesondere bei der Behandlung von chronischen Krankheiten. Ihre Wirkung ist sehr breit und kann deswegen bei vielen gesundheitlichen Problemen angewendet werden.

Und nicht zu vergessen: Auch die moderne Schulmedizin verwendet Wirkstoffe aus dem Pilzsubstrat und deren Abkömmlingen, z.B. Penicillin. Was wäre die moderne Medizin ohne die Wirkung des 1928 von Alexander Fleming genauer untersuchten Penicillin? Es hat Millionen Menschen und Tieren das Leben gerettet! Uns Mitteleuropäern ist kaum bekannt, dass Heilpilze ein ausserordentlich breites Spektrum an Wirkstoffen besitzen. Inzwischen wächst jedoch das Interesse und dank chemischer Analysen und pharmakologischer Untersuchungen konnten bereits über hundert medizinisch wertvolle Bestandteile in Heilpilzen nachgewiesen werden.

Die Mykotherapie erlebt seit einigen Jahren eine «Renaissance» und nimmt fortlaufend an Bedeutung zu. Der breiten Bevölkerung ist sie allerdings immer noch weitgehend unbekannt.

Wirkung

Pilze sind keine Pflanzen oder Tiere, sie bilden ein eigenständiges Reich und besitzen daher auch spezielle Eigenschaften und spezialisierte Wirkungen. Was aber ist es genau, das die Pilze so wertvoll macht? Zur Beantwortung dieser Frage ist es hilfreich, sich die Überlebensstrategien vor Augen zu führen, die die Pilze im Laufe der Evolution in ihrer ökologischen Umgebung entwickeln mussten. Pilze sind in der Natur «Recycler». In dieser Funktion entwickelten sie zum Beispiel die Fähigkeit, Stoffe zu bilden, die gegen Bakterien, Viren und schädliche Parasiten wirksam sind. Pilze können daher unser Immunsystem auf natürliche Weise stimulieren oder regulieren.
Forschungen haben bewiesen, dass Pilze neben Nährstoffen wie Eiweisse, Vitamine und Mineralien auch zahlreiche bioaktive sekundäre Inhaltstoffe enthalten, die in erhöhter Konzentration zur Prävention und Therapie von Gesundheitsproblemen geeignet sind und sich äusserst positiv auf den Gesundheitszustand auswirken können. Man spricht hier auch von adaptogenen Substanzen, die in der Lage sind, ohne zusätzliche Belastung den Organismus anpassungsfähiger zu machen.